Reformationstag, Halloween und Allerheiligen

Die Lutherrose, das Siegel Martin Luthers
Die Lutherrose, das Siegel Martin Luthers

 

In drei Tagen, am 31. Oktober, ist Reformationstag, an dem die evangelischen Christen die Reformation der alten Kirche durch den Mönch und Theologieprofessor Martin Luther feiert. Der Mann hatte sich ja im tiefsten Mittelalter unter anderem dagegen aufgelehnt, dass man Verfehlungen mal eben mit Geld bereinigt. Die Historie der "Ablassbriefe" kennen wohl die meisten von uns. Gut für die Kassen der Kirche, angenehm für den betuchten Sünder, der sich so seinen Freifahrtschein in den Himmel kaufen konnte. Wie absurd! Was für Zeiten! Dagegen anzudenken und zu rebellieren, das ist schon nach meinem Geschmack.

 

Der Reformationstag wird sehr unterschiedlich gestaltet. In manchen Bundesländern ist er gesetzlicher Feiertag, in anderen wird er nur recht still mit einem Gottesdienst an einem Werktag begangen.

 

Dort, wo er ein lebendiger Feiertag ist, besonders aber in den Lutherstädten wie Wittenberg und anderen, finden bunte Mittelaltermärkte statt und überall kann man süße Reformationsbrötchen kaufen, die in ihrem Aussehen an Martin Luthers Siegel erinnern.

 

Bei uns gibt es sie nicht in den Bäckereien, aber das ist für mich ja kein Grund, sie nicht auf den Tisch zu bringen. Mach ich sie halt selber, dachte ich. Mein "Passt-immer-gelingt-immer"-Hefeteig mit gehackten Mandeln aufgepeppt. Bällchen plattgedrückt und fünfmal eingeschnitten, 'n Loch für die Erdbeermarmelade, gut ist... Also. Ich stelle fest: Schmecken locker saftig. Bin zufrieden. Aber die Mitte muss ich nächstes Mal noch tiefer aushöhlen. Auf jeden Fall ist es eine FRECHHEIT, dass mein sonst so lieber Mann sie lachend als "Deformationsbrötchen" verunglimpft hat, als er sie gesehen hat!

 

Backrezept zum 31.10. - Rezept für Reformationsbrötchen - Spezialität zum Reformationstag

 

Wenn Du gerne selber diese leckeren Reformationsbrötchen backen möchtest, nimm gerne mein Rezept dafür. Hier ist es abgespeichert.

 

Der meist schlicht gehaltene Reformationstag, der still auf dem Vortag von Allerheiligen liegt, wird seit vielen Jahren mehr und mehr durch neu gelebtes, schrill-lautes Brauchtum in den Hintergrund gedrängt: Halloween. Viele hierzulande lieben es inzwischen heiß und innig, andere rümpfen noch empört die Nase.

 

 

Halloween. Seinen Ursprung hat es in uralten irischen Bräuchen in der Nacht vor Allerheiligen, dem "All Hallow's Evening". Diese Bräuche wurden erst durch irische Auswanderer in die "Neue Welt" mitgenommen und schwappten dann in den 90er Jahren wieder zurück nach Europa.

 

 

Halloween bietet natürlich einen absoluten Gegensatz zum ruhigen Reformationstag oder auch zum darauffolgenden, nachdenklichen Allerheiligen-Fest: Schrille Gestalten lärmen durch die Nacht, die Kinder freuen sich über reichlich Bonbons, die sie unter gereimten Drohungen an vielen Haustüren einfordern und überall gibt es Veranstaltungen, auf denen es blutrünstige Drinks und schreck-gespenstische Speisen und Dekorationen gibt.

 

 

Als zweifache Mutter stellst Du Dir nicht die Frage: lieben oder lassen? Die Kids wollen raus, sie wollen durch die Nacht, sie wollen Süßes oder Saures! Punkt. Blieb nur, in den ersten Jahren, das Treiben erzieherisch wachsam im Hintergrund zu beobachten und das artige Danke für die guten Gaben und das verständnisvolle Annehmen von auch mal verschlossenen Türen zu üben.

 

 

Ich also mit den Kids selber durch die Nacht gezogen, ihr Vater zuhause wiederum die Klingelgeister bedient. So wächst man rein in die neuen Sitten, dekoriert ebenfalls schwarz-orange, legt Gruselfilme ein und zaubert Würmerspeisen, blutige Hände und Spinnenkekse in der heimischen Küche. Nun. Das habe ich also jetzt zugegeben.  

 

 

Allerdings wird sich bei uns am 01. November, also gleich nach dem weltlichen Halloween, umgestellt - auf das leise Fest Allerheiligen und dessen Folgetag, Allerseelen.

 

Hier in Norddeutschland ist Allerheiligen ja kein gesetzlicher Feiertag. Der entsprechende Gedenktag der meist protestantische Bevölkerung ist der Ewigkeitssonntag Ende November. Ich finde es - arbeitsfrei oder nicht, katholisch oder nicht - aber ganz gut, diesen ruhigen Tag am oft neblig-verregneten Anfang des Monats November, so zu nehmen wie er ist: Eine Möglichkeit inne zu halten und sich vielleicht auch Manches wieder einmal bewusst zu machen...

 

 

Den ach so trüben November, der mit Allerheiligen und Allerseelen beginnt, mögen viele ja nicht wirklich. Ich frag aber mal: Warum denn nicht? Eigentlich ist doch bekannt, dass das Leben nicht nur aus lustigen Festen bestehen kann. Und wenn wir ganz ehrlich sind, tut es uns doch sogar gut, einmal zu stoppen und ganz ruhig zu sein. Denn erst dann hört man das Leise, hört man die feinen Schwingungen, die innere Stimme. Ja, wer weiß, dann, vielleicht und womöglich, spüren wir auch den Hauch der Ahnen, die uns etwas zu sagen haben...

 

Ist die jetzt bekloppt geworden? Nee. Aber mal die Klappe halten, anhalten, Handy weg, in sich gehen, lauschen... ist einfach mein Tipp des Tages!

 

 

Übrigens gibt es zu Allerheiligen und Allerseelen ein ganz altes, traditionelles Gebäck. Hochwillkommen nach dem Gang zum Friedhof oder einem Spaziergang durch den kühlen, spätherbstlichen Wald, zu dampfender Schokolade oder frisch gebrühtem Kaffee: 

 

Der Seelenzopf.

 

Die drei Stränge sollen wohl die Dreifaltigkeit symbolisieren und das Ineinanderverschlingen die Ewigkeit. Es gibt auch andere Formen, aber alle sind immer aus süßem Hefeteig hergestellt. 

 

Hier ist die Art aus meiner "Schlossküche" ♥: 

 

Traditionelles Rezept zu Allerheiligen und Allerseelen: Der Seelenzopf
Lecker nicht wahr? (Aber vor dem Backen nicht - wie ich - das Einpinseln mit einer Eigelb-Milch-Mischung vergessen. Dann reißt der Zopf nicht so auf!)

 

Und hier habe ich Dir das Rezept dafür abgespeichert. Wow. Heute ist Hefeblogtag.

 

Also. Du kennst ja meine Lieblingsmottos schon: Immer das Beste daraus machen. Und (möglichst) immer das Gute in den Dingen sehen. 

 

So wünsche ich Dir ruhig-besinnliche und kuschelig-gemütliche Spätherbsttage!