Wintertraditionen

Januarlandschaft: Ente auf dem zugefrorenen Bach

 

Mitten im Winter. Draußen ist es frösteligjanuarkalt. Wir laufen Schlittschuh im Park oder planen bei Schnee eine Wanderung mit Winterpicknick. Im glitzernden Weiß rasten wir dick eingemummelt auf unseren Schlitten, packen einen Thermotopf mit deftiger Erbsensuppe aus, das frisch gebackene Brot mit Schinkenwürfeln und Kannen mit süßem, heißem Vanillepunsch.

 

 

Ansonsten sitzen wir nun aber gerne und viel hinter dem Ofen, beschäftigen uns mit einigen liegengebliebenen Projekten oder finden wieder die Zeit für verschiedene Handarbeiten. Schon in alten Tagen waren vor allem Januar und Februar die Monate, in denen gesponnen und gewebt, geflickt und genäht wurde.

 

Altes Spinnrad

 

Die Kälte draußen bringt uns zum Beispiel automatisch auf die Idee, uns einen schönen Schal oder eine kuschelige kleine Decke zu stricken. Projekte, die selbst Anfänger in Angriff nehmen können. Schöne Wolle besorgt, die passenden Nadeln dazu und dann trifft man sich mit der Tante oder Freundin, die bereit ist, einem das Aufnehmen der Maschen und die beiden Grundarten zu zeigen. 

 

Wenn man ein wenig experimentiert, kann man aus einfachen rechten und linken Maschen zahlreiche kreative Muster stricken. 

 

Wintertradition: Einfach gestrickte Decke
Wintertradition: Einfach gestrickte Decke

 

Dann sind bald schon ein paar weiche, wärmende Lieblingsstücke fertiggestellt.

 

Wenn das Stricken in immer gleich breiten Reihen erst einmal gelingt, kann man sich im nächsten Schritt daran machen, zwischendurch die Wollfarbe zu wechseln und auch das Abnehmen und Zusammennähen zu üben. Auf diese Weise ist zum Beispiel diese einfach Wärmflaschenhülle entstanden:

 

Wintertradition: Gestrickte Hülle für die Wärmflasche

 

Mit Wolle kann man aber nicht nur stricken und häkeln. Versuch doch ruhig auch einmal zu weben! Ich habe z. B. den alten Schulwebrahmen der Kids hier liegen und finde, es geht auch wirklich kinderleicht. Einfach Wollfäden einspannen und dann im Wechsel drüber und drunter die Wolle in der gewünschten Farbe einweben. 

 

So entstehen individuelle Schals, Pulswärmer oder andere Kleinigkeiten, die anschließend ganz nach Wunsch zusammengenäht werden können.

 

Wintertradition: Weben mit dem Schulwebrahmen
Wintertradition: Weben mit dem Schulwebrahmen

 

Wenn Du Dich auch mal wieder mit Handarbeiten beschäftigen möchtest, kann ich Dir hier ein paar inspirierende Blogs empfehlen:

 

Farbenfaden

Krautiline

Maschenfein und

Manu strickt...

 

 

Im Gegensatz zu meinen winterlichen Aktivitäten wurden früher mit viel Fleiß und Sorgfalt noch weitaus beeindruckendere Handarbeitsstücke hergestellt.

 

Hier eine alte, hübsche, große Tischdecke aus meiner Familie, die ich mit weißem Geschirr immer wieder besonders gerne zum Sonntagskaffee auflege:

 

Handbestickte Tischdecke in blau-weiß
Handbestickte Tischdecke in blau-weiß - Detail

 

Mit diesen gemütlichen Traditionen lässt sich der Winter doch aushalten, oder? Wir trinken Tee und lesen, treffen uns, um gemeinsam Handarbeiten zu machen, kochen und backen in unseren Schlossküchen all die typischen Winterrezepte und lassen es uns richtig gut gehen.

 

 

Übrigens ist jetzt in der kalten Jahreszeit auch eine besondere Zeit für alle Korbflechter, denn es ist die Zeit, in der die Ruten der Kopfweiden geschnitten werden. Diese dürfen nämlich nur in der Saftruhe von Ende November bis Ende Februar geerntet werden.

 

Kopfweiden findest Du häufig an Bachläufen und sie sind an ihrer besonderen Form gut zu erkennen. Natürlich musst Du den Besitzer vorher fragen, ob Du Dir Ruten abschneiden darfst. 

 

 

Nach der Ernte der Weidenruten müssen diese erst einmal geputzt werden, das heißt, von allen kleinen Verästelungen befreit werden. Danach prüfst Du, ob sie für Dein Projekt genügend biegsam sind. Wenn nicht, werden sie entsprechend lange in Wasser eingelegt. 

 

Möchtest Du das Weidenflechten, dieses wunderschöne alte Handwerk, einmal ausprobieren, findest Du im Internet einfache Anleitungen, um selber damit zu experimentieren. Dort wirst Du natürlich auch fündig, wenn du lieber gleich einen Kurs besuchen möchtest.

 

  

Ich jedenfalls liebe Körbe und überhaupt alles aus Weidengeflecht zu sehr! Ich brauche sie für's Gartenkleingerät, zum Einsammeln von Laub und auch im Haus sind sie überall verteilt: Altglas, Äpfel, Zeitungen, Strickzeug, Bastelkram... Man kann doch gar nicht genug haben!

 

 

So. Der Schornstein raucht. Drinnen haben wir es schön warm und es warten ein Glas heiße Schokolade und mein Strickzeug auf mich. Darum tschüss für heute - mit diesem kleinen Gedicht:

 

 

Januar

 

Wohin man schaut, nur Schnee und Eis,
Der Himmel grau, die Erde weiß;
Hei, wie der Wind so lustig pfeift,
Hei, wie er in die Backen kneift!

 

Doch meint er`s mit den Leuten gut,
Erfrischt und stärkt, macht frohen Mut.
Ihr Stubenhocker schämet euch,
kommt nur heraus, tut es uns gleich.

 

Bei Wind und Schnee auf glatter Bahn,
Da hebt erst recht der Jubel an.

 

 

(Robert Reinick, 1805-1852)

 

 

Wintergetränk, typisch im Januar: Ein Glas heiße Schokolade mit Sahne