Buntes Treiben und Graue Erbsen - Von Weiberfastnacht bis Veilchendienstag

Ende Februar: Die ersten Schneeglöckchen
Ende Februar: Die ersten Schneeglöckchen

 

Der schlimmste Frost ist seit einiger Zeit vorbei, wir haben Plustemperaturen und beim Rundgang durch den Garten sieht man es deutlich: Die Natur will wieder erwachen. Erste Boten sind die hübschen Schneeglöckchen, die sich nun wieder zeigen und bestätigen: Es ist tatsächlich Vorfrühling! In den Blumengeschäften locken schon seit Längerem Töpfe mit vorgezogenen Primeln und anderen Frühlingsblühern und der Handel bietet die ersten Schokohasen und Kunststoffeier an. Winter?! Und tschüss!

 

 

So knallebunt wie diese Primeln sind, geht es hier heute weiter, denn wir haben Weiberfastnacht! Da ich die althergebrachten Feste so mag, liebe ich ja alleine schon das zünftige Wort: Weiber! Das steckt doch was drin! Saft und Kraft und die richtige Portion Wildheit. Finde ich jedenfalls. 

 

Heute an Weiberfastnacht übernehmen jedenfalls in vielen Regionen die Frauen das Regiment. Sie gehen verrückt verkleidet und mit Scheren bewaffnet auf Krawattenjagd, stürmen die Rathäuser, halten närrische Sitzungen ab und in den Gaststätten wird ausgelassen gefeiert.

 

Die Weiberfastnacht geht bis ins tiefe Mittelalter zurück, wo selbst die Nonnen in den Klöstern den Tag ausgiebig feierten. Das kann ich gerne glauben!  

 

 

Also rein in den bunten Partyfummel, die Federboa umgeschlungen und dann los mit dem restlichen Furiengeschwader! Härrlisch!!!

 

Der Hit dabei ist, dass die Weiberfastnacht ja sogar nur der Auftakt für die tollen Tage ist, die noch folgen. Da braucht frau wirklich Stehvermögen.

 

Damit das so hinhaut mit der Feierei von Donnerstag bis Dienstag, gehört seit jeher eine gute Grundlage dazu. Jetzt, bei noch immer kalten Temperaturen, hat darum gehaltvolles Schmalzgebackenes in allen Variationen eine lange Geschichte. 

 

 

Rezepte gibt es zuhauf. Heutzutage wird das Gebäck oft bunt verziert und kommt auch in Form der amerikanischen Donuts daher. Lecker. Prima. Aber mich freut besonders, dass ich hier eine traditionelle rheinische Karnevalsspezialität vorstellen kann, die mir eine Eifeler Leserin zugeschickt hat: Mutzen!

 

Liebe Bina K., hier sind Deine Bilder und Dein Rezept. Vielen Dank dafür und Alaaf! ☺☺☺

 

 

Für eine Schüssel Karnevalsmutzen stellen wir einen Teig her aus 500 g Quark, 4 Eiern, 160 g Mehl, 2 P. Vanillezucker, 400 g Mehl, ca. 1 EL Natron und je 1 Handvoll Rosinen, feine Apfelstückchen und Mandelstifte.

 

Daraus formen wir ca. 12 - 14 Bällchen, die wir portionsweise in heißem Fett goldbraun ausbacken.

 

 

Die fertigen Mutzen auf Küchenkrepp abtropfen lassen und vor dem Servieren ordentlich mit Puderzucker bestäuben.

 

Faschingsrezept - Rheinische Spezialität zu Karneval - Rezept für Karnevals-Mutzen

 

Ich finde ja, die alten Familienrezepte sind meist die allerbesten. Sehr lecker!

 

 

Zu den Eifeler Karnevalsmutzen gesellt sich hier nun noch eine deftige, regionale Spezialität aus Norddeutschland. Die gibt es schon seit Sechzehnhundertschießmichtot und sie wird bis heute jedes Jahr am Faschingsdienstag in vielen Gaststuben und Familienküchen gekocht: "Graue Erbsen".

 

Graue Erbsen, auch Kapuzinererbsen genannt, sind vor allem in Ostfriesland und im Elmshorner Raum bekannt. Woanders sind diese Hülsenfrüchte aus Großmutters Küche kaum zu finden. 

 

Kapuzinererbsen kaufen - Graue Erbsen kaufen

 

In Elmshorn beliefert der Landhandel "Theodor Stüben OHG" die umliegenden Gaststätten. Im kleinen Kontor kann man aber auch für den Privathaushalt Packungen ab 500 g erwerben. 

 

Kapuzinererbsen kaufen - Graue Erbsen kaufen

 

Rechtzeitig vor dem Veilchendienstag war ich dort, wurde sehr freundlich und fröhlich bedient und bekam netterweise gleich noch das passende Rezept dazu mit:

 

 

(Übrigens: Theodor Stüben versendet die grauen Erbsen um die Karnevalszeit herum auch innerhalb Deutschlands. Hier ist darum gerne der Link zur Webseite.)

 

Die traditionelle Zubereitungsart habe ich Dir also - siehe oben - nicht vorenthalten. Ich selber allerdings mache das etwas anders, füge z. B. noch Kräuter dazu, halte es leichter, indem ich Schweinebacke und Speck weglasse und ich koche Kassler und Wurst nicht separat. Kann ja jeder machen wie er mag...

 

So sieht es bei mir aus - mir ist das noch deftig genug:

 

Traditionsrezept: Spezialität zum Faschingsdienstag: Rezept für Graue Erbsen - Eine Elmshorner Tradition

 

Wenn Du die "Grauen Erbsen" auf meine Art nachkochen möchtest: Die Kapuzinererbsen wie oben beschrieben zubereiten, aber kein Salz zum Kochwasser geben. Nach den 2,5 Stunden Kochzeit 2 Loorbeerblätter, Majoran, Petersilie, gemahlenen Kümmel und 1 Prise Zucker zufügen, außerdem pro Person 2 Scheiben Kassler und 1 - 2 kleingeschnittene Mettwürstchen.

30 Minuten nur mild köcheln lassen, in der Zwischenzeit die Beilagen zubereiten (wir bevorzugen Kartoffelpüree). Pro Person 1 Zwiebel in Ringe schneiden, leicht mit Mehl überstäuben und in heißem Öl goldbraun ausbacken. Alles anrichten und dazu mittelscharfen Senf reichen.

 

Nun bist Du, was die Grundlagen angeht, doch ausgestattet, oder? Für die flüssigen Spezialitäten brauchst Du sicher keine Tipps. Dann also Prost, Helau und Alaaf! Feier schön, lärme, vertreibe den restlichen Winter. Und hau ordentlich rein, denn Aschermittwoch beginnt schließlich die Fastenzeit.

 

Um die geht es hier das nächste Mal, aber daran wollen wir ja jetzt noch gar nicht denken!