Tanz in den Mai

 

Wenn Du meinen Blog schon eine Weile verfolgst, weißt Du ja was mich so umtreibt und bist nicht erstaunt, was wohl für mich einer der Höhepunkte der alten Jahresbräuche ist: Der Tanz in den Mai.

 

Ich liebe es, wenn sich schöne Sitten der "guten alten Zeit" bis heute gehalten haben. Sicher oft reichlich verändert, aber immerhin. 

 

Nach meinem Geschmack ist eine Tanzveranstaltung auch heutzutage viel netter mit Stöckelschuhen und hübschem Kleid, aber man kann ja nicht alles haben. Und wenn auch viele in dieser Gesellschaft Jeans und Schlabber-Shirt bevorzugen - es liegt es ja immer noch an einem selber, welchen Stil man lebt.

 

 

1926: Im Garten des Berliner Hotels "Esplanada" spielt eine Jazzband zum 5 Uhr-Tee.

(Bild-Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bundesarchiv_Bild_183-K0623-0502-001,_Berlin,_Tanztee_im_%22Esplanade%22.jpg)

 

 

1930er Jahre, Ochsenfurt: Kinder warten auf den Beginn des Mai-Umzugs

(Foto: Paul Walde (1899-1970), Bild-Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ochsenfurt_1930er_Umzug_Kinder.jpg)

 

Tanz in den Mai... Wieviel uralte Tradition das beinhaltet! Mit dem Tanz in der Walpurgisnacht feiern wir den Auftakt zu den Festlichkeiten und Bräuchen rund um den Maifeiertag. Verliebte Jungs schmücken in der Nacht das Haus der Angebeteten mit einem großen Birkenzweig, der mit vielen bunten Bändern geschmückt ist. Ist das Mädchen aus dem Nachbarort, gilt es anschließend den Baum zu bewachen und die Nachbarjungs des umworbenen Fräuleins mit Bier und Schnaps auszuzahlen. 

 

 

In der Mitte vieler Dörfer und Städte wird noch immer ein prachtvoller Maibaum aufgestellt, um den dann in althergebrachter Weise getanzt wird.

 

 

Für Tanzfreudige aus Hamburg und Umland hier meine Lieblingsveranstaltungen: 

 

Angesagt und stilvoll unter Kronleuchtern und Stuck:

"Swing in den Mai", am Sonntag, den 30. April 2017, ab 20:00 Uhr, Mozartsäle

 

Mit Hafenblick unter'm Sternenzelt:

"Mai Ahoi", am Sonntag, den 30. April 2017, ab 21:00 Uhr, Museumsschiff Cap San Diego

 

6 Clubs im Park am See:

"Tanz in den Mai", am Sonntag, den 30. April 2017, ab 20:00 Uhr, Café Seeterrassen 

 

Natürlich findest Du viele weitere Tipps auch aus Deiner Umgebung in den Zeitungen und im Internet. Mach Dich hübsch und dann los! Schuhe zertanzen bis in die Morgenstunden. Denn praktischerweise ist ja der daraufolgende Tag immer ein Feiertag und angenehmerweise in diesem Jahr auch noch ein Montag!

 

 

Bunte Bänder leuchten, Vögel zwitschern, das junge Grün leuchtet und warm soll es auch endlich werden... Wir haben es doch einfach wunderbar!

 

Bleiben als Vorletztes nur noch meine Hinweise für's "Davor und Danach"...

 

Meine Rezepte für Birkengelee und Hexenlikör findest Du hier und meine weiteren Mairezepte findest Du hier.

 

 

... und zuletzt gibt es noch eine passende Geschichte aus "meiner" Zeit:

 

 

Die zertanzten Schuhe

 

Es war einmal ein König, der hatte zwölf Töchter und eine war schöner als die andere. Der König behütete seine Töchter sehr: Sie hatten ihre zwölf Betten zusammen in einem Saal und immer wenn sie schlafen gingen, wurde die Tür verschlossen und verriegelt. Trotzdem waren aber jeden Morgen ihre Schuhe zertanzt und keiner wusste, wie das zugehen konnte oder wo sie gewesen waren.

 

Da ließ der König ausrufen, wer ausfindig machen könnte, wo seine Töchter in der Nacht tanzten, der sollte sich eine davon zur Frau wählen und nach seinem Tod König sein. Wer sich aber meldete und es nach drei Tagen und Nächten nicht herausbrächte, der hätte sein Leben verwirkt.

 

Es kam bald ein Königssohn, der wurde freundlich aufgenommen und abends in das Zimmer vor dem Schlafsaal der zwölf Töchter geführt. Da stand sein Bett und er sollte Acht haben, wo sie hingingen und tanzten. Damit sie ja nicht heimlich verschwinden konnten, wurde dieses Mal die Saaltür offen gelassen.

 

Der Königssohn schlief aber leider ein und als er am Morgen aufwachte, waren alle Zwölf zum Tanz gewesen: Ihre Schuhe standen da und hatten Löcher in den Sohlen. Den zweiten und dritten Abend ging es ebenso und da wurde ihm tatsächlich sein Haupt abgeschlagen.

 

So wie der erste kamen noch viele und meldeten sich zu dem Wagestück, sie mussten aber alle ihr Leben lassen.

 

Nun trug es sich zu, dass ein armer Soldat, der eine Wunde hatte und nicht mehr dienen konnte, in die Stadt des Königs kam und von der Geschichte hörte. Da begegnete ihm eine alte Frau, die fragte ihn, wo er hin wollte. „Ich weiß noch nicht genau", sprach er, „aber ich hätte wohl Lust König zu werden und auszumachen, wo die Königstöchter ihre Schuhe zertanzen.“ „Ei", sagte die Alte, „das ist so schwer nicht, du musst nur den Wein nicht trinken, den dir eine von ihnen abends bringt und musst tun, als wärst du fest eingeschlafen!“ Darauf gab sie ihm ein Mäntelchen und sprach: „wenn du das umhängst, bist du unsichtbar und kannst den Zwölfen nachschleichen!“

 

Nachdem der arme Soldat so guten Rat bekommen hatte, wurde es ihm Ernst und er fasste sich ein Herz. Er ging vor den König und meldete sich als Kandidat. Er wurde genauso gut aufgenommen wie die andern und es wurden ihm königliche Kleider angetan.

 

Abends zur Schlafenszeit wurde er in das Vorzimmer geführt, und als er zu Bette gehen wollte, kam tatsächlich die älteste und brachte ihm einen Becher Wein. Er schüttete ihn heimlich aus, legte sich nieder und als er ein Weilchen gelegen hatte, fing er an zu schnarchen, wie im tiefsten Schlaf.

 

Das hörten die zwölf Königstöchter, lachten, und die älteste sprach: „Der hätte auch sein Leben sparen können!“ Danach standen sie auf, öffneten Schränke, Kisten und Kästen, holten die prächtigsten Kleider heraus und putzten sich vor den Spiegeln. Sie sprangen herum und freuten sich auf den Tanz. Nur die jüngste sagte: „ich weiß nicht, ihr freut euch, aber mir ist so wunderlich zu Mute, gewiss widerfährt uns ein Unglück!“ – „Du Schneegans", sagte die älteste, „du fürchtest dich doch immer! Hast du vergessen, wie viele Königssöhne schon umsonst da gewesen sind? Dem Soldaten hier hätte ich nicht einmal den Schlaftrunk zu geben brauchen. Der wäre doch nicht aufgewacht.“

 

Als sie alle fertig zurecht gemacht waren, gingen sie zu dem Soldaten, aber der rührte und regte sich nicht. Sie glaubten, ganz sicher zu sein, darum ging die älteste an ihr Bett und klopfte daran. Sofort sank das Bett in die Erde und es öffnete sich eine Falltür. Der Soldat aber sah zu, wie sie hinunter stiegen, eine nach der andern, die älteste voran. Er wusste, dass er keine Zeit zu verlieren hatte, hing sich rasch das Mäntelchen um und stieg hinter der jüngsten mit hinab.

 

Mitten auf der Treppe trat er ihr ein wenig auf's Kleid; da erschrak sie und rief: „es ist nicht richtig, es hält mich was am Kleid!“ „Stell dich nicht so einfältig an!", sagte die älteste, „du bist an einem Haken hängen geblieben.“

 

Da gingen sie vollends hinab, und als sie unten waren, standen sie in einer wunderprächtigen Allee. Die Blätter der Bäume waren alle von Silber und schimmerten und glänzten. Der Soldat dachte 'du willst dir ein Wahrzeichen mitnehmen' und brach einen Zweig davon ab, da gab es natürlich ein lautes Geräusch. Die jüngste rief wieder: „es ist nicht richtig, habt ihr das knallende Geräusch nicht gehört? Das ist noch nie hier geschehen!“ Die älteste aber sprach: „das sind Freudenschüsse, weil wir unsere Prinzen bald erlöst haben!“

 

Darauf kamen sie in eine Allee, wo alle Blätter von Gold waren und endlich in eine dritte, wo sie aus funkelnden Diamanten waren; von beiden brach der Soldat einen Zweig ab, wobei es jedes Mal knallte, so dass die jüngste vor Schrecken zusammen fuhr. Die älteste blieb aber dabei, es wären Freudenschüsse.

 

Da gingen sie weiter bis zu einem großen See, darauf lagen zwölf Boote, und in jedem Boot saß ein schöner Prinz. Sie hatten auf die Zwölf gewartet und jeder nahm eine zu sich. Der Soldat setzte sich mit der jüngsten hinein, da sprach der Prinz: „Ich bin doch so stark wie sonst, aber heute ist das Schiff viel schwerer! Ich muss hier rudern, was ich nur kann!“ – „Wovon sollte das kommen?", sprach die jüngste, „vielleicht vom warmen Wetter, es ist mir auch so heiß zu Mute.“

 

Jenseits des Wassers aber stand ein wunderschönes, hell erleuchtetes Schloss, aus dem fröhliche Musik erschallte. Sie ruderten hinüber, gingen hinein und jeder Prinz tanzte mit seiner Prinzessin. Der Soldat tanzte einfach unsichtbar mit und wenn eine einen Becher mit Wein hielt, trank er ihn aus, so dass er leer war, wenn sie ihn an den Mund brachte. Der jüngsten machte auch das Angst, aber die älteste brachte sie immer wieder zum Schweigen.

 

Sie tanzten bis drei Uhr am andern Morgen, dann waren alle Schuhe durchgetanzt und sie mussten aufhören. Die Prinzen fuhren die Königstöchter über das Wasser zurück. Sie nahmen voneinander Abschied und versprachen in der folgenden Nacht wieder zu kommen. Als sie an der Treppe waren, lief der Soldat schnell voraus, legte sich ins Bett und als die Zwölf langsam und müde herauf kamen, schnarchte er schon wieder laut, so dass sie sprachen „also vor dem sind wir sicher!“ Sie zogen ihre schönen Kleider aus, hängten sie weg, stellten die zertanzten Schuhe unter das Bett und legten sich nieder.

 

Am andern Morgen wollte der Soldat noch nichts sagen, sondern lieber das wunderliche Treiben noch weiter ansehen. Er ging auch die zweite und die dritte Nacht mit und da war alles, wie beim ersten Mal: Sie tanzten, bis die Schuhe entzwei waren. Beim dritten Mal nahm er noch einen Becher mit als Wahrzeichen.

 

Vor der Stunde, in der er antworten sollte, nahm er die drei Zweige und den Becher hervor und ging zum König. Die Zwölf aber standen hinter der Tür und horchten, was er sagen würde. Als der König fragte: „Nun. Wo haben meine zwölf Töchter ihre Schuhe in der Nacht zertanzt?“ antwortete er: „mit zwölf Prinzen in einem unterirdischen Schloss!“ Er erzählte alles und holte die Wahrzeichen hervor. Da rief der König seine Töchter und fragte sie, ob der Soldat die Wahrheit gesagt hätte und weil sie sahen, dass sie verraten waren und leugnen nichts half, erzählten sie alles.

 

Das Rätsel war endlich gelöst und der König fragte den armen Soldaten, welche seiner Töchter er denn zur Frau haben wollte. Er antwortete: „ich bin nicht mehr jung, so gebt mir die älteste.“ Noch am selben Tag wurde die Hochzeit abgehalten und ihm das Reich nach des Königs Tode zugesprochen.

 

Die Prinzen aber wurden auf so viel Tage wieder verwünscht, als sie Nächte mit den Zwölfen getanzt hatten.

 

Ende

 

 

Modifiziert nach Brüder Grimm "Kinder- und Haus-Märchen, Band 2" (1815). Quelle: https://de.wikisource.org/wiki/Die_zertanzten_Schuhe_(1815)