Auf zur Pilzwanderung

 

Schon Mitte September? Jetzt wollen wir die Hauptsaison für Pilze genießen! Mit einem guten Bestimmungsbuch bewaffnet und unter kundiger Führung, machen wir uns auf in Wald und Flur. Nach diesem feuchten Sommer erwarten wir dort doch bitte nun jede Menge der kleinen Köstlichkeiten!

 

Körbe und Messer haben wir bei uns, auch eine kleine Karte, auf der wir die besten Stellen für das kommende Jahr schon einmal vermerken können, und einen kleinen, fein gefüllten Picknickkorb. 

 

Die Luft ist angenehm jetzt im Frühherbst und im feuchten Wald duftet es uns schon verlockend erdig und aromatisch entgegen. 

 

Waldboden mit Moos und Fichtenzapfen oder Tannenzapfen

 

Die besten Stellen werden normalerweise streng gehütet, aber auf einer geführten Pilzwanderung lernt man ja schon das erste geeignete Gebiet kennen. Außerdem kann man sich als Anfänger so sicher sein, was essbar ist und was nicht.

 

Gleich der ersten Pilz, den ich so am vorletzten Wochenende entdeckt hatte, kam mir sehr bekannt vor. Mensch, den hab ich doch auch im Garten! DAS wäre ja toll, wenn das ein raffinierter Speisepilz wäre!:

 

Kartoffel-Bovist

 

"Nö", meinte der Fachmann. Das hier sei nur ein gemeiner Kartoffel-Bovist. Ein Stäubling, der seinen mehlig-schwarzen Inhalt in die Gegend stäubt, z. B. wenn man drauftritt. Verursacht Bauchschmerzen und Erbrechen. Aha. Okay. Dann nicht. Weitersuchen.

 

Das nächste Fundstück:

 

Spei-Täubling

 

Ein kleiner Fliegenpilz?! Das ist ja super! Bringt immerhin Glück und Fliegenpilze seien "Steinpilzzeiger" hatte uns unser Exkursionsleiter zuvor erklärt. Juchhu! Steinpilze (und Pfifferlinge) sind schließlich die Traumziele jedes Pilzsammlers!

 

Aber nein. Das kleine Ding ist kein Fliegenpilz, sondern ein Spei-Täubling. Schwachgiftig. Verursacht Brechdurchfälle bis hin zum Koma. 

 

Na wunderbar. Geduldig ging's weiter.

 

Langsam entwickelten wir einen Blick, um zwischen Laub, Moos und Ästen den einen oder anderen Pilz zu entdecken.

 

Waldlichtung, Pilze sammeln, gute Stellen für Pilze, Pilzzeit

 

Ein lichter Mischwald im Frühherbst, nach einigen Tagen Regen... Da MUSS doch...

Da! Ist das braune da hinten rechts nicht...?

 

Und tatsächlich. Ein Pilz!

 

Perlpilz

 

Und zwar ein Perlpilz. Der kann immer wieder anders aussehen, je nachdem wo er steht. Gut durchgegart ist er essbar, aber wohl nicht sehr aromatisch.

 

Ich hab ihn stehen gelassen. Auch weil ich mich nur auf die Pilze konzentrieren möchte, die ich mit der Zeit wirklich gut und zweifelsfrei erkennen kann. 

 

Und dann ging es tatsächlich los. Einer aus der Gruppe fand den ersten Maronen-Röhrling. Kein Steinpilz, mit dem er gerne mal verwechselt wird, aber auch ein sehr guter Speisepilz. Dann jubelte der Nächste und schließlich auch ich:

 

 

Maronen-Röhrling

 

Ein Speisepilz! Und vor allem war mein Fund ein junges Exemplar. Das sind die besten, sagte unser Pilz-Professor. Das Gute beim Maronen-Röhrling: Er kann eigentlich mit keinem giftigen Pilz verwechselt werden. Alle, die ihm einigermaßen ähnlich sind, sind entweder essbar oder nicht, aber nicht giftig. Wie beruhigend. Also mit dem werde ich mich näher befassen. 

 

Offenbar waren wir in einem Maronen-Waldstück angekommen. Ein Sammler kam unserer Gruppe entgegen und hatte den Korb voll mit einer guten Abendmahlzeit. Eine Stunde hätte er dafür gesucht, sagte er. Ein bisschen neidisch bewunderten wir seine Sammlung.

 

Unser Experte meinte allerdings später (und außer Hörweite) trocken: "Typischer Anfängerkorb. Da waren nur zwei gute dabei, die anderen sind viel zu alt. Da kann er das meiste wegschneiden, weil die Maden drin sind." 

 

Mein Gott. Alles nicht so einfach. Also offenbar so nicht: 

 

 

Nachdem wir einige appetitlich-junge Maronen-Röhrlinge gesammelt hatten, führte uns unser Weg in ein sandigeres, wunderschönes Heide-Gebiet und dort fanden wir dann sogar noch Pfifferlinge.

 

Heidelandschaft
Heidekraut

 

Tja, lehrreiche drei Stunden waren es. Neben dem Thema 'Speisepilze' haben wir auch andere interessante Einblicke bekommen, z. B. dass Pilze keine Pflanzen sind. Oder dass das, was über der Erde wächst, nur der Fruchtkörper ist. Der eigentliche Pilz ist viel größer: Ein Geflecht unter der Erde, das sogenannte Myzel.

 

So im Boden versteckt können wir es nicht sehen, aber ein Pilz ist das größte Lebewesen der Erde! Und zwar ist es ein Hallimasch. Der lebt in Oregon, ist 900 Quadratkilometer groß und über 2000 Jahre alt. Wow.

 

Eine andere Geschichte fand ich auch ganz faszinierend: Die sogenannten Schmetterlings-Trameten, die auf Totholz sitzen und die wir schon häufig bei Waldspaziergängen gesehen haben... Die sind zwar nicht essbar, aber sie wurden früher von den Bauersfrauen als Schmuck getragen:

  

 

Ich habe mir einige kleine Trameten abgebrochen. Sie sind fest, trocken und auf der Unterseite weiß. Ich habe sie in meine Blumenpresse gesteckt und werde mal schauen, was ich damit mache. Im Internet fand ich wenig Infos dazu, aber eine Frau hat sie sogar mit Blattgold belegt. Ich denke, ganz natürlich werden sie mir besser gefallen. Auf jeden Fall mache ich was daraus, denn eine Zusatzinfo habe ich ebenfalls im Netz gefunden: In der traditionellen chinesischen Medizin sagt man den Trameten große Heilwirkung nach. Perfekt also für ein Schmuckstück von Bedeutung.

 

Alter Bauernschmuck, traditioneller Schmuck: Schmetterlingstrameten als Naturschmuck

 

Schön, oder?

 

Nun aber zurück zu den Speisepilzen. Weiter unten gibt es ein paar leckere Rezepte für Dich. Aber vorher...

 

 

... möchte ich zum Thema Pilze auch ein paar ernstere Bemerkungen loswerden.

 

Viele Wildpilze wie Pfifferlinge, Steinpilze, Rotkappen oder Morcheln stehen unter Artenschutz und dürfen nur in geringen Mengen für den Eigenbedarf gesammelt werden. Reiße beim Sammeln die Pilze auf keinen Fall aus dem Boden sondern schneide sie ab, damit neue Fruchtkörper nachwachsen können.

 

Bereite bitte nur die Pilze zu, die Du einwandfrei identifizieren kannst.

 

Lagere selbst gesammelte oder gekaufte Pilze nicht, sondern verwende sie frisch - spätestens am nächsten Tag.

 

Allem voran aber ein trauriges Thema, dass leider auch über dreißig Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl noch aktuell ist: Nicht überall in Deutschland sollte man Pilze suchen gehen und auch die im Handel günstig angebotene Ware aus Osteuropa würde ich skeptisch betrachten. Denn in vielen Gebieten sind die Waldböden noch immer verstrahlt. Auf Pilze (und übrigens auch Wildschweinfleisch) aus diesen Regionen sollte man verzichten.

 

Hier ist der Link zu einer Deutschlandkarte von 1986 des Umweltinstituts München, an der Du Dich etwas orientieren kannst. Dass ich vom Ende der Atomkraft träume, brauche ich sicher nicht zu betonen. Informationen zu meinen Herzensthemen Atomausstieg (und Umweltschutz insgesamt) findest Du unter diesen bekannten Links: 

 

www.ausgestrahlt.de

www.utopia.de

www.bund.de

www.greenpeace.de

 

 

Tja. Schwierig. Aber nun geht es optimistisch weiter. Kennst mich ja.

  

'Na klasse', denkst Du jetzt und fragst: Was machen denn die Natur- und Küchenfeen, die in ihrem Gebiet nichts sammeln sollten? Auf dem Markt finden sie ja keine Pfifferlinge und Steinpilze aus Deutschland und bei Ware aus Osteuropa sollen sie auch nicht unbedingt zugreifen...

   

Lösung: Es gibt doch auch Kulturpilze in guter Qualität! Champignons mit dem Bio-Siegel muss man gar nicht lange suchen und auch andere Zuchtpilze findet man. In meinem Lieblingsmarkt von Alnatura gibt es z. B. derzeit frische Shiitake-Pilze und Kräuterseitlinge.

 

 

Und für Experimentierfreudige, denen selbst regional noch zu weit weg ist, habe ich ebenfalls einen Tipp: 

 

Schau mal unter www.pilzgarten.de oder www.pilzmaennchen.de. Dort kannst Du Pilz-Kits für's Züchten zu Hause bestellen. Spannend! Ich selber werde das auf jeden Fall mal ausprobieren. 

 

 

Jetzt aber endlich zu meinen Pilzrezepten. Schließlich wollen wir die Jahreszeit wie immer genussvoll auskosten. Los geht's:

 

Herbstrezept / Pilzrezept / Rezepte mit Pilzen: Marinierte Thymian-Champignons

 

Marinierte Champignons mit Thymian - Rezept für eine kleine Schüssel

 

In einer Tasse 3 EL cremigen Balsamico und 6 durchgedrückte Knoblauchzehen mischen. Beiseite stellen.

Ca. 1 halbe Hand voll (Menge nach Geschmack) frischen Thymian samt der zarten Stiele fein zerhacken. Beiseite stellen.

1,5 Kg frische Champignons ggf. trocken abreiben und in nicht zu dünne Scheiben schneiden. In mehreren Pfannen (oder portionsweise hintereinander in einer Pfanne) in ausreichend Olivenöl rundum anbraten. Wenn die Pilze eine gute Farbe bekommen haben, den angemischten Balsamico zufügen und gründlich unterrühren. Mit Salz und Pfeffer herzhaft abschmecken.

Die Champignons in eine Schüssel umfüllen und noch heiß den zerhackten Thymian untermengen.

Bis zum Servieren 2 - 3 Stunden durchziehen und abkühlen lassen.

 

Dazu schmeckt Pasta oder frisches Weißbrot.

 

Herbstrezept / Pilzrezept / Rezepte mit Pilzen: Pilzragout mit Semmelknödeln, Rezept mit Kräuterseitlingen

 

Kräuterseitlingsragout mit Semmelknödeln (Rezept für 4 Portionen)

 

Zutaten und Zubereitung für 4 große Semmelknödel:

 

Am Vortag 2 normale Brötchen in Würfel schneiden und ausgebreitet an der Luft trocknen lassen. 

Die getrockneten Brötchenwürfel und 100 g gewürzte Croutons (Fertigprodukt) in eine Schüssel geben.

100 ml Milch kurz aufkochen und heiß über die Würfel gießen. Die Schüssel sofort zudecken.

1/2 Handvoll Petersilie fein hacken. 1 Ei in einem Schüsselchen etwas zerquirlen.

1/2 Zwiebel in Würfel schneiden und zusammen mit 100 g feinen Schinkenwürfeln in 2 EL Öl andünsten.

Zwiebel- und Schinkenwürfel sowie die Petersilie und das Ei zum durchgeweichten Brot fügen, alles mit Salz und Pfeffer würzen und mit den Händen gründlich zu einem Teig verkneten.

In 4 gleiche Stücke teilen und mit feuchten Händen 4 runde Klöße formen. 

 

Zutaten für Semmelknödel

 

Ausreichend Salzwasser in einem größeren Topf zum Kochen bringen, dann herunterschalten. 

Die Klöße ins Wasser setzen und 20 Minuten lang bei kleiner Hitze und ohne Deckel gar ziehen lassen. 

 

In der Zwischenzeit das Pilzragout zubereiten: 

 

400 g Kräuterseitlinge ggf. abbürsten, dann etwas kleinschneiden.

1 kleine Zwiebel fein würfeln.

In einer großen Pfanne 4 EL Butter erhitzen und die Pilze darin rundum anbraten.

In den letzten Minuten die Zwiebelwürfel zufügen.

Wenn die Zwiebeln goldgelb sind, alles mit 400 ml Gemüsebrühe ablöschen und gut 10 Minuten köcheln lassen.

1 Becher Kräuter-Crème fraîche unterrühren und mit Salz, Pfeffer und 1 Prise Zucker abschmecken.

 

Das Pilzragout mit den Semmelknödeln servieren.

 

 

Und zu guter Letzt:

 

Herbstrezept / Pilzrezept / Rezepte mit Pilzen: gefüllte Pfannkuchen mit Shiitake-Pilzen

 

Gefüllte Pfannkuchen mit Shiitake-Pilzen

 

Für 4 Personen - ein einfaches Rezept für die, die es nicht zuu "pilzig" mögen:

 

Einen Teig anrühren aus 2 Eiern, 2 Tassen Mehl, 2 Tassen Milch und 1/2 TL Salz. 

In einer kleinen Pfanne, mit jeweils etwas Öl, bei mittlerer bis starker Hitze hintereinander

8 dünne Pfannkuchen backen. Auf einem Teller stapeln und im Ofen bei 50 °C warmhalten.

 

Beim Backen zwischendurch schon 250 g Shiitake-Pilze fein zerkleinern, 150 g Mini-Salami in dünne Scheiben schneiden und 1 rote Zwiebel würfeln.

In einer großen Pfanne 4 EL Öl erhitzen und die Pilzstückchen rundum anbraten. Die Hitze reduzieren, die Salami zufügen, anschließend die Zwiebelwürfel.

Wenn diese glasig sind, 100 g Maiskörner, 1 EL Oregano und 2 gehäufte EL Tomatenmark gründlich unterrühren.

 

Pro Teller 2 Pfannkuchen mit der Pilzmischung füllen und servieren.

 

Guten Appetit! ♥

 

 

Lindenallee

 

Das war's von mir für heute.

Genieße die Zeit und tue das Richtige! ♥


Zutaten für Semmelknödel