Herbstspaziergang

 

Goldener Oktober. Diese Zeit hat einen so besonderen Zauber. So schön. Und so melancholisch. Farben und Tempo reduziert. Ich mag das einfach sehr.

 

Heute scheint die Sonne und wir wollen uns aufmachen zu einem ausgiebigen Spaziergang auf dem Land. Wollen die Sonne im Gesicht spüren und den leichten Wind im Haar. Wollen über ein paar Gartenzäune schauen und in den weiten Himmel über uns...

 

Heute gibt es von mir nur das. Aber auch nicht weniger. Ich nehme Dich mit auf meinem Herbstspaziergang...

 

 

Manche Staudenbeete haben ihre sommerliche Pracht gegen ein wunderschönes, schon leicht morbides Herbstbild eingetauscht. Aber auch solche, die erst jetzt ihren größten Auftritt haben, finden wir: Die Astern leuchten üppig violett unter dem golden gefärbten Laub der Bäume und Büsche...

 

 

... und auch die Fetthenne steht erst jetzt in voller Blüte:

 

 

An den Hortensien haben wir uns schon den ganzen Sommer über erfreut und bewundern nun, wie sie langsam ihre Farbe wechseln. Stehen sie in unserem eigenen Garten, können wir uns ein paar Blütenbälle abschneiden, damit sie in einer Schale noch lange den Raum schmücken.

 

 

Weiter gehen wir und betrachten die alten Bauernhäuser mit ihren knorrigen Obstbäumen auf der Wiese davor. Manche sind noch nicht abgeerntet worden und Äpfel leuchten uns prall entgegen.

 

 

Der Kastanienbaum verliert langsam seine Blätter und eine kleine Raupe freut sich über das grüne Futter:

 

 

Die Kastanien selber haben die Kinder längst aufgesammelt. Zurück bleiben die leeren Hüllen, aber auch die geben noch ein stimmungsvolles Stilleben ab:

 

 

Herbstgefühl pur. Langsam laufen wir über die alte Straße hinaus aus dem Dorf.

 

 

Rechts stehen Weißdornbüsche mit ihren reifen roten Früchten...

 

 

... und links finden wir Schneebeeren. "Knallerbsen" haben wir die als Kinder immer genannt und die weißen Bällchen auf dem Bürgersteig zerplatzen lassen.

 

 

Und weiter geht unser Spaziergang. Schwarze Krähen hocken auf dem Stoppelfeld, Vogelschwärme sammeln sich und der Mais ist nun kurz vor der Ernte.

 

 

Erst nach Stunden beenden wir unseren Rundweg. Himmel getankt. Farben aufgesaugt. Gedanken geordnet.

 

 

Zurück daheim kommt schließlich fast das Schönste: Frisch durchgepustet machen wir es uns mit Tee und Decke so richtig gemütlich.

 

Das echte Gefühl gibt es natürlich nicht virtuell. Vielleicht konnte ich Dich ein wenig inspirieren, aber rausgehen tust Du nun bitte selber. Es ist Wochenende und im ganzen Land ist stabiles, trockenes Wetter angesagt. Lass es Dir nicht entgehen!

 

 

Verabschieden möchte ich mich für heute wieder einmal mit einem Gedicht.

 

Bis in vierzehn Tagen. Lebe langsam und schau Dich um! ♥ 

 

 

Herbstbild
(Christian Friedrich Hebbel, 1852)

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

 

(Quelle: http://www.literaturwelt.com/werke/hebbel/herbstbild.html)